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Den Wert des Lebens fühlen

revolverWir trafen uns neben der U-Bahn-Station. Mein Mentor trug wie immer seine schwarze Lederjacke. In der rechten Hand hielt er eine Sporttasche.
»Hast du mitgebracht, was wir vereinbart haben?«, fragte er.
»Ja, habe ich«, demonstrativ klopfte ich auf meine Tasche, die um meine rechte Schulter gehängt war. Darin lagen zehn Quadratmeter durchsichtiger Folie. Gregor hatte mir aufgetragen sieben Quadratmeter zu kaufen, aber ich kaufte zur Sicherheit mehr. Und eine Flasche Vodka für mich. Gregors Experimente waren immer sehr aufregend und ich hatte das Gefühl, ich würde ein starkes Getränk brauchen.
»Gut, heute werde ich dir beibringen, wie man einen Menschen tötet.«
Ich zuckte zusammen. »Warum?«
»Wie willst du sonst den Wert des Lebens fühlen?«, fragte er sichtlich erstaunt.
Es nieselte, aber es war angenehm warm, als wir durch die von Laternen beleuchteten Straßen gingen. Die Häuser, die wir passierten, waren dunkel und gespenstisch. Hier und da sah ich zerschlagene Fenster. Noch seltener bemerkte ich schwachen Lichtschein, was mich zumindest davon überzeugte, dass hier eine nicht ganz verlassene Gegend war. Während wir uns unserem Ziel näherten, wechselten wir keinen Wortfetzen. Gregor schien über irgendetwas Unangenehmes nachzudenken und ich wagte nicht, ihn dabei zu unterbrechen.
Schließlich blieben wir vor einem Blockhaus kurz stehen, das so aussah, als würde es jeden Moment zusammenbrechen.
»Wir sind da«, stellte Gregor fest. Entschlossenen Schrittes ging er ins Innere und führte mich in den Keller. Dort bemerkte ich eine hübsche junge Frau, die mitten im Raum geknebelt auf einem Stuhl saß und mich ängstlich flehend ansah. Ich bemerkte, dass ihre Hände hinter dem Rücken an den Stuhl gefesselt waren.

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